Der demografische Nachteil - warum junge Anwältinnen und Anwälte im Versorgungswerk stärker belastet werden:

Versorgungswerke gelten als das kapitalgedeckte Gegenmodell zur umlagefinanzierten gesetzlichen Rente. Richtig ist: Sie reagieren träger auf den demografischen Wandel als die Deutsche Rentenversicherung. Falsch ist die verbreitete Annahme, sie seien davon unberührt.

Die Zahlen sprechen eine eigene Sprache. Im Lagebericht des Versorgungswerks der Rechtsanwälte Baden-Württemberg stagniert die Zahl der Beitragszahler zwischen 2018 und 2022, während die Zahl der Leistungsempfänger kontinuierlich steigt. Die Anwaltszahlen insgesamt sind rückläufig, gleichzeitig leben Freiberufler statistisch drei bis fünf Jahre länger als der Bevölkerungsdurchschnitt. Für ein System, das darauf angewiesen ist, dass stetig neue, junge Mitglieder nachrücken, ist das ein strukturelles Problem.

Besonders betroffen sind gerade jüngere Berufsträger. Ihre Rentenanwartschaft basiert auf einem Rechnungszins, der über Jahrzehnte gesunken ist und aktuell bei den meisten Versorgungswerken zwischen 2,25 und 2,5 Prozent liegt, deutlich unter den 3,7 bis 4,0 Prozent der Gründungsjahre. Wer heute mit 30 Jahren ins Versorgungswerk eintritt, kalkuliert seine gesamte Erwerbsphase auf Basis dieser niedrigeren Verzinsung, ganz anders als die Generation, die vor 20 oder 30 Jahren eingetreten ist.

Politisch verschärft sich die Lage zusätzlich. Aus verschiedenen Richtungen werden Vorschläge diskutiert, den Zugang zu den Versorgungswerken für künftige Mitglieder zu beschränken, um die gesetzliche Rentenversicherung zu stärken. Der Deutsche Anwaltverein warnt: Der "ewige Zugang" junger Kolleginnen und Kollegen ist kein Selbstläufer, sondern Grundvoraussetzung für die Stabilität des gesamten Systems.

Für junge Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte bedeutet das: Auf die Rente aus dem Versorgungswerk allein sollte niemand seine gesamte Altersvorsorge stützen, unabhängig davon, wie sich die aktuelle politische Lage entwickelt. Wer früh mit einer ergänzenden, kapitalmarktbasierten Vorsorge beginnt, profitiert vom längsten verfügbaren Anlagehorizont und macht sich unabhängiger vom Verlauf der nächsten Jahrzehnte.

Quellen: Future Invest, "Altersrente aus dem Versorgungswerk für Rechtsanwälte und Kammerberufe"; Anwaltsblatt, "Die berufsständische Altersversorgung – ein Weckruf" und "Sichere Altersvorsorge für junge Anwältinnen und Anwälte"; VSW Nordrhein-Westfalen, Kennzahlen und Rechengrößen

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